– die Amerikanerin Madison an der Hans-Jonas-Gesamtschule

„Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt“ – ein Satz von Ludwig Wittgenstein, dem österreichischen Philosophen.

Es stimmt: Die Sprache ist der Schlüssel, mit dem man eine andere Kultur verstehen kann und mit anderen Personen kommunizieren kann. Wenn man neue Kulturen versteht und neue Personen trifft, dann hat man die Gelegenheit, neue Perspektiven zu sehen und seine eigene Welt zu vergrössern. Weiterhin werden normale Personen weltweit, die sonst nichts mit einander zu tun hätten, von einer gemeinsamen Sprache zusammen gebracht. Diese Beziehungen machen die Welt kleiner und näher und bekämpfen die Angst vor Fremden. In dieser Zeit sind diese Beziehungen und deswegen auch dieses Programm besonders wichtig.

Madison mit Berliner BärMeine Welt hat sich dadurch, dass ich Deutsch gelernt habe tatsächlich vergrössert, obwohl es nie schnell genug für mich ging. Die Sprache hat es mir ermöglicht, mit deutschen Erwachsenen und Jugendlichen zu kommunizieren und sie wirklich zu verstehen. Als ich die Personen kennengelernt habe und gesehen habe, wie nett sie waren, haben sie einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen und ich hoffe, dass ich auch so einen positiven Eindruck bei ihnen hinterlassen kann. Die Personen, die ich hier getroffen habe, haben es mir ermöglicht, dass Deutschland mein zweites Zuhause geworden ist und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Aber am Anfang, als ich im August in Deutschland angekommen bin, war es ganz anders. Am Anfang, hat es sich wirklich angefühlt, als ob Kalifornien eine andere Welt als Deutschland wäre. Damals war ich unglaublich nervös: Würde ich es schaffen? Ein ganzes Jahr lang ohne meine Familie und Freunde in einer neuen Kultur und in einem neuen Heim war schon heftig. Und dann auch die neue Sprache. Davor hatte ich besondere Angst. Ich habe mich immer wieder gefragt, wie lange es dauern würde, bis ich alles verstehen könnte. Würde ich jemals richtig Deutsch können? Denn als ich herkam, konnte ich kein Wort Deutsch, ausser „Ich heisse Madison und ich komme aus Kalifornien“. Aber natürlich klang mein Deutsch noch viel schlimmer. Und jetzt habe ich das ganze Jahr geschafft und muss mich leider verabschieden.

Aber das alles hier wäre nicht möglich ohne meine Familie, meine zweite, deutsche Familie, meine ich. Aber sie sind doch jetzt auch meine Familie. Sie haben so viel für mich getan. Erstens und am wichtigstens: sie haben mich mit offenen Armen in ihrer Familie und in ihrem Haus aufgenommen. Vielleicht hört es sich kitschig an, aber es ist die Wahrheit. Ohne sie hätte ich vielleicht aufgegeben. Außerdem haben sie viel Geduld mit meinem manchmal sehr schlechten Deutsch. Sie haben mir auch deutsche Kultur und Traditionen beigebracht, wie Sankt Martin mit der Nachbarschaft und sie haben für mich immer deutsche Gerichte gekocht, bis zu Sauerbraten vom Pferd. Wir haben auch zusammen viel Schönes erlebt: meine Burgsammlung, 13 bis jetzt, ein Urlaub auf Borkum, zusammen bei gutem Wetter am Rhein gesessen und noch Vieles mehr. Besonders Weihnachten, als ich mich wirklich als ein Teil der Familie gefühlt habe. Alles das werde ich nie vergessen und hat mich sehr geprägt.

Mein Jahr in Deutschland wäre auch ganz anders gewesen ohne meine Lehrer, die mich immer unterstützt haben. Ich hatte von ehemaligen Schülern dieses Programmes gehört, dass die Lehrer sich nicht um mich kümmern würden. Aber ich habe das Gegenteil erfahren. Sie waren immer verständnisvoll und haben gesehen, wie schwierig es für mich war und Rücksicht genommen, besonders am Anfang. Außerdem bin ich auch langsam ein richtiger Teil der Stufe in meiner Schule geworden. Ich habe wirklich gute Freundschaften geschlossen, die mich getröstet haben, wenn ich traurig war oder Heimweh hatte. Ich werde alle die netten Menschen von meinem zweiten Zuhause vermissen, meine Nachbarn, meine Freunde, meine Lehrer und meine Gastfamilie. All diesen Menschen habe ich es zu verdanken, dass ich sagen kann: ,,Ich bin eine Deutsche“.